Die Aktionstage 2017 werden unterstützt von:

Logo teddy

 

LogoUKBG

 

DVR ohne e

 BACKWINKEL Logo

 

Gegen "Helikopter-Eltern". Aktionstag gegen "Eltern-Taxis"

aus Nassauische Neue Presse vom 23. September 2016

Es ist nicht mehr selbstverständlich, dass Kinder zu Fuß zur Schule kommen. Deshalb wird mit einem Aktionstag nachgeholfen.

 
Sindlingen. „Guten Morgen. Habt Ihr Eure Laufzettel dabei?“ Die Kinder nicken, holen die Papiere aus ihren Taschen und bekommen einen großen grünen Fuß ins entsprechende Feld gestempelt. Damit sind vier Felder voll. Nun fehlt nur noch eins um zu bestätigen, dass sie eine Woche lang zu Fuß zur Schule gekommen sind. Jeder vollständig gestempelte Zettel wandert in eine Lostrommel, aus der drei Gewinner gezogen werden.
 
Wie in jedem Jahr beteiligt sich die Ludwig-Weber-Schule an der Aktion „Zu Fuß zur Schule“ des Verkehrsclubs Deutschland und des Kinderhilfswerks. „Die Kinder sollen diese Woche jeden Tag zu Fuß kommen, dafür gibt es Stempel“, erklärt Lehrerin Dorothea Lauer das jährliche Prozedere. „Konstanz ist wichtig“, ergänzt Konrektor Martin Stojan: „Es kommen neue Kinder, und mit der Zeit wird es auch vergessen.“ Deshalb hängen derzeit bunte Plakate in den Klassenzimmern, die die Schüler daran erinnern sollen.
 
Nico (6) und Alessandro (5) brauchen diesen Hinweis nicht. „Wir wohnen um die Ecke“, sagen ihre Mütter, während sich die Buben ihre Laufzettel abstempeln lassen. An den meisten Tagen erledigen das die Klassenlehrer, am gestrigen Aktionstag verteilten Martin Stojan und Dorothea Lauer die Stempel schon am Eingang zum Schulhof.
 
Besorgte Eltern
 
Lavinia (6) hat keinen bekommen. Sie lebt zwar ebenfalls in der Nähe der Ludwig-Weber-Schule, doch sie geht nie zu Fuß. „Ich bringe sie immer mit dem Auto, auf dem Weg zur Arbeit“, erklärt Mutter Jasmina Capljak. Eigentlich sei der Weg nicht so weit, aber „ich möchte sie nicht alleine gehen lassen“, erklärt sie, warum sie die Erstklässlerin jeden Tag bringt und auch wieder abholt: „Ich habe Angst, dass ihr etwas passieren könnte auf dem Schulweg. Mir ist wohler, wenn ich weiß, dass sie sicher in der Schule ist."
 
Fachleute nennen das „Verinselung“. Der Ausdruck besagt, dass Kinder zunehmend den eigenständigen Zugang zum öffentlichen Raum und Einrichtungen wie Schulen oder Kindergärten verlieren. Nicht zuletzt wegen der vielen Autos werde es für Kinder immer schwieriger, sicher von einem Ort zum anderen zu gelangen. Sogar der Gang zum Spielplatz oder Besuch bei Freunden leide darunter, und als Ergebnis sind wieder die Erwachsenen mit ihren Autos gefragt, die als „Elterntaxi“ den Transport besorgen.
 
Erfahrungen machen
 
Dabei sei es wichtig, dass Kinder frühzeitig lernen, sich allein im öffentlichen Raum sicher zu bewegen. „Auf dem Schulweg treffen sie Mitschüler, sprechen miteinander, und es ist auch eine Vorbereitung auf die weiterführende Schule“, hebt Martin Stojan hervor. Wenn die Kinder nach der vierten Klasse weitere Wege zurücklegen müssen, sollten sie dazu auch in der Lage sein. 
 
Auf die meisten der rund 200 Weber-Schüler dürfte das zutreffen. Auch außerhalb der Aktionswoche „kommt die große Masse zu Fuß“, sagt der Konrektor. Trotzdem wird die Sindlinger Grundschule auch im nächsten Jahr wieder dabei sein, wenn es heißt „Zu Fuß zur Schule.“
 
(hno)