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"Zu Fuß zur Schule" Tag. Elterntaxi: Runter vom Rücksitz!

aus heute.de vom 22. September 2016

von Christian Thomann-Busse.

Die Bezeichnung "Generation Rücksitz" kommt nicht von ungefähr: Kinder und Jugendliche werden heute zu allen möglichen Anlässen von ihren Eltern mit dem Auto kutschiert. Häufig auch zur Schule. Dagegen gibt es heute den internationalen "Zu Fuß zur Schule"-Tag.

 
Vor einigen Jahren bat der ADAC darum, dass Schulkinder doch bitte nicht mit aufgesetztem Tornister auf dem Rücksitz mitfahren sollten. Kein Scherz! Alleine dieses Bild verdeutlicht schon die ganze Misere: Abgehetzte Eltern, die morgens auf dem Weg zur Arbeit noch schnell den Nachwuchs an der Schule absetzen - am liebsten direkt vorm Eingang. Und am liebsten alle gleichzeitig auf den letzten Drücker. Ja, da ballt sich so einiges vor deutschen Schulen zusammen - und eigentlich gibt es kaum eine Kommune, in der das Thema nicht zu den großen Aufregern gehört.
 
Beweggründe der Eltern sind vielfältig
 
Aber wie kann man Eltern davon abhalten, ihre Kinder unbedingt mit dem Auto direkt vor die Schule zu fahren? Und was treibt sie eigentlich wirklich dazu? "Die Gründe sind vielfältig", sagt Carsten Elkmann, Mitarbeiter der Stadt Dortmund. Das Dortmunder Projekt "So läuft das" hat zum Ziel, dass wieder mehr Kinder den Schulweg zu Fuß zurücklegen. Eine Aktion, an der Eltern, Lehrer und Kinder beteiligt werden.
 
"Aus unseren Fragebögen an die Eltern wissen wir, dass nicht nur Bequemlichkeit dahinter steckt, sondern auch eine Menge Ängste um die Kinder", so Elkmann. Ängste vor Gefahren im Straßenverkehr ebenso wie Furcht vor anderen, die ihren Kindern etwas Böses wollen - auch ältere Schüler, die jüngere auf dem Schulweg mobben könnten.
 
Tatsächliche Unfallzahlen auf Minimalniveau
 
Sorgen, die Siegfried Brockmann von der Unfallforschung der Versicherer gut verstehen kann. Wenngleich die Unfallzahlen eine andere Sprache sprechen: Laut Statistischem Bundesamt starben 2015 im Straßenverkehr innerorts zwei Kinder von sechs bis zehn Jahren bei einem Fahrradunfall, sechs als Fußgänger. Die Zahlen sind sehr niedrig - aber, so Brockmann: "Jedes Opfer ist eines zu viel. Und Eltern möchten da natürlich unbedingt Vorsorge treffen, selbst wenn die Gefahr verschwindend gering erscheint."
 
Das Überbehüten der Kinder sei nur ein Aspekt, immer weitere Schulwege ein anderer. "In Großstädten besuchen längst nicht mehr alle Kinder eine Schule in ihrem direkten Einzugsbereich. Da kommen schnell einige Kilometer an Strecke zusammen, und auf dem Land sind die Wege oft noch weiter", sagt Siegfried Brockmann. Aber gar nicht aktiv am Straßenverkehr teilzunehmen, sei eben auch keine Lösung: "Wie sollen die Kinder dann lernen, sich zurechtzufinden?"
 
Kompetenz im Straßenverkehr muss man sich erarbeiten
 
Für die Initiatoren der Aktion "Zu Fuß zur Schule und zum Kindergarten", der Verkehrsclub Deutschland und das Deutsche Kinderhilfswerk, steht die Kompetenz im Straßenverkehr denn auch ganz oben auf der Liste der Vorteile gegenüber der Fahrt auf dem Rücksitz. "Manchmal geht es nicht ohne Auto, aber wenigstens die letzten 500 Meter sollten Kinder zu Fuß zurücklegen", sagt VCD-Sprecherin Anja Smetanin. 500 Meter, die Kinder dann auch gemeinsam laufen könnten. "Eine gute Lösung ist es, sich auf einem nahegelegenen Parkplatz zu sammeln", so die Sprecherin.
 
Um das auch lernresistenten Eltern nahe zu bringen, läuft die Aktion über die Kinder. Strafzettelchen an Taxi-Eltern vor der Schule verteilen, gemeinsam Strecken gehen und dabei miteinander reden oder Verkehrstraining: "Kinder wollen selbstständig werden, und mit den Erfahrungen aus dem Projekt geben sie ihre Wünsche auch an die Eltern weiter", sagt Anja Smetanin. Und es werden immer mehr: Mit rund 85.000 Teilnehmern hat die Aktion in diesem zehnten Jahr so viele wie nie zuvor.
 
Positiver Druck durch Kinder auf ihre Eltern
 
Dass der Druck der Kinder auf ihre Eltern sehr effektiv sein kann, hat auch Carsten Elkmann bei "So läuft das" erfahren. Wenn Klassen gemeinsam Pluspunkte sammeln können, indem die Kinder möglichst viele Meter gemeinsam auf dem Schulweg erlaufen, dann spornt das an. "Natürlich möchten sich die Schüler eine Wald- oder Spielstunde erarbeiten", so Elkmann. Heißt: Sie wollen laufen, statt mit dem Auto fahren.
 
Damit dies auch sicher geschehen kann, analysiert das Team unter anderem, wie sicher die Schulwege im Umkreis einer Schule tatsächlich sind. Und wenn nötig, werden beispielsweise Querungshilfen gesetzt oder Parkraum beseitigt, der kindliche Einblicke in eine Straße behindert. Allerdings: "Im Großen und Ganzen fallen dabei zwar nur geringe Sachkosten an, aber solche Projekte erfordern Personal."
 
40 Prozent weniger Elterntaxen
 
Fünf Dortmunder Grundschulen werden bislang bei "So läuft das" betreut. Mit ganz erstaunlichen Ergebnissen: "An einer der Schulen kommen mittlerweile 40 Prozent der Kinder weniger mit dem Auto", so Carsten Elkmann. Und als diese Daten (an einem Regentag!) erfasst wurden, gab es offiziell noch gar nicht die neu eingerichteten Hol- und Bringzonen abseits der Schule, wo Kinder das elterliche Auto verlassen, um zu Fuß weiter zu marschieren. Ein schöner Erfolg also und Ansporn, den Fußmarsch auch anderen Schülern an den mehr als 80 Dortmunder Grundschulen schmackhaft zu machen - und demnächst auch an weiterführenden Schulen.